peter decker meldet sich im virtuellen raum zu wort: „[…] hätten wir uns längst an der fälligen Klärung beteiligt.“

1.
Ich mag den Stil, Verlauf und die aufgedrehte Präsentation eurer Debatte nicht und frage mich, ob das am Medium liegt, d.h. ob ihr meint, angeberisch ironische Pseudonyme, mal herabsetzende, mal herablassende Beschimpfungen und sonstige Elemente einer fetzigen Kritik und Gegenkritik wäret ihr dem Medium Internet schuldig: Ein sehr kleiner Kreis von gut unterrichteten, man möchte sagen, geschulten Leuten diskutiert im elektronischen toten Briefkasten virtuell weltöffentlich Unklarheiten über die Staatstheorie und versucht mit den genannten Touren sich und die Debatte für die Welt, die gar nicht hinschaut, interessant zu machen. Tatsächlich liegen die Diskutanten im praktischen Standpunkt und theoretisch nicht weit auseinander. Tatsächlich streitet ihr zweitens um schwierige Fragen, die überall aufkommen, wo unsere Staatstheorie rezipiert wird. Und dann beharkt ihr euch, als ob ihr es mit lauter Dummköpfen, Renegaten und Antikommunisten zu tun hättet. Ihr steigt einander auf lauter Abwege nach und verliert die Hauptsache eine Weile aus den Augen, findet über Umwege wieder zurück; beleidigt einander und verbraucht dann wieder Zeilen und Zeit, um zu einem sachlichen Ton zurückzufinden bzw. einander zu einem solchen Ton zu ermahnen. Statt der endlosen Threads und Kurz-Stellungnahmen fände ich es viel nützlicher, wenn die Protagonisten identifizierbar unterschiedlicher Auffassungen ihre Sicht einmal zusammenhängend aufschreiben und der Auffassung, die sie für verkehrt halten, gegenüberstellen würden. Solche Anfragen oder Stellungnahmen an die Gegenstandpunkt-Redaktion geschickt, hätten wir uns längst an der fälligen Klärung beteiligt. Aber euch ist das Medium, euere Internet-Plattform wichtiger, als eine Klärung mit uns. Wir bekommen anonymisierte e-mails zugeschickt, dass wir eure Diskussion nicht ignorieren sollen. Antworten können wir dem anonymen Schreiber nicht schicken, aber Mitglied im Internet-Diskutierklub sollen wir werden.

peter decker macht dem forum kapitalismuskritik seine aufwartung (in 6 punkten).


11 Antworten auf “peter decker meldet sich im virtuellen raum zu wort: „[…] hätten wir uns längst an der fälligen Klärung beteiligt.“”


  1. 1 wurscht 31. Januar 2008 um 10:27 Uhr

    Wundert mich sowieso, dass nicht schon früher von einem der Chefs mäßigend eingegriffen wurde, haben sie selbst doch schon „jene unselige Debatte“ (GSP) für beendet erklärt.

  2. 2 Punkt 31. Januar 2008 um 11:17 Uhr

    Wieso wundert dich da was? Die „unselige Debatte“ wird doch nicht *von* GSPlern geführt, sondern nur *um* GSP-Positionen/die „richtige“ Staatstheorie. Im übrigen ginge es doch auch nicht um „Mäßigung“ (Keine Schläge unter die Gürtellinie!) sondern höchstens um „Versachlichung“. Also um klarer herausgearbeite wichtige Differenzen und um Festhalten eventuell geteilter Einsichten. Dazu müßte aber überhaupt erst mal „hier“ eine Diskussion von GSPlern aufgenommen werden. Und das erwarte ich nun trotz Peter Deckers Intervention nicht. Denn weder will „der“ GSP offensichtlich in die Niederungen „unseres“ Mediums herabsteigen, noch gibt in dieser Debatte irgendwen, der (auch) an den Gegenstandpunkt schreibt. Sowas funktioniert übrigens auch meiner Kenntnis nach regelmäßig schon.

  3. 3 libelle 31. Januar 2008 um 13:27 Uhr

    Deckers Antwort beweist doch, dass es keinen Sinn hat an den GegenStandpounkt zu schreiben. Er hat die Einwände nicht verstanden und auf eine Antwort die nur nochmal immer gleiche GSP Positionen wiederholt kann man auch verzichten. Die Auseinandersetzung mit dem GSP wird jedem an der Erklärung der Gesellschaft interessierten Menschen mehr oder weniger aufgezwungen, weil sie sich eben an den entsprechenden Diskussionen beteiligen. Daran ist einerseits nichts verwerflich. Andererseits sind sie (jedenfalls bisher) durch Kritik nicht erreichbar. Aus der Konstellation folgt dann, dass man sie als politischen Gegner auffasst und anderen die Kritik ihrer Positionen sagt, wo sie antreten. Verständlich sind in dieser Situation auch Positionen, die nicht mehr mit dem GSP diskutieren.
    Was soll überhaupt dieses ganze unterwürfige Herumraten, ob *die GSPler* sich an Internet Diskussionen beteiligen? Ich an ihrer Stelle würde das tun, wenn mir die Inhalte, die ich vertrete etwas wert sind. Und zwar nicht um andere zu erreichen, sondern um mir selbst sicher sein zu können, dass ich mich nicht irre.
    Der oben zitierte Punkt von Deckers Antwort ist in gewisser Weise auch unverschämt, weil er das Bemühen um eine Klärung der Differenzen wegen des Mediums, in dem es sich betätigt pathologisiert.

  4. 4 Punkt 31. Januar 2008 um 14:17 Uhr

    Ich würde eher sagen, daß man am GegenStandpunkt selber, also der Zeitschrift, ablesen kann, daß Diskussion nicht so deren Ding ist: Dort gibt es ja nur alle Jubeljahre mal einen Brief und eine Erwiderung. Es könnte natürlich sein, daß es in der Tat keinen Pro-GSpler weit und breit gibt, der einem einmal erschienenen Artikel noch irgendwas hinterherzuschreiben für sinnvoll erachtet (bei Veranstaltungen sagt von denen ja auch regelmäßig keiner was) und es ist zudem anzunehmen, daß Nicht-GSPler denen erst Recht keine Statements zukommen lassen.

    Wie kommst du eigentlich zur Einschätzung, daß einem Kommunisten die Auseinandersetzung ausgerechnet mit dem GSP „aufgezwungen“ wird? Wo beteiligen die sich den an den nötigen Diskussionen? Als Pessimist möchte ich zudem hinzusetzen, daß die Kritikresistenz, die du beim GSP siehst, nun wirklich kein Spezifikum von denen ist. Wer ist dann vergleichsweise aufgeschlossen ernsthaft dabei? Wenn du mit oder gegen alle politischen Tendenzen nicht mehr reden wolltest, die belehrungsfest sind, ja mit wem willst du dich denn argumentativ überhaupt noch an einen Tisch setzen?

    Und „unverschämt“ ist die Weigerung/extreme Abneigung des GegenStandpunkts gegen Internet-Auseinandersetzungen auch nicht. Es ist einfach nur blöd. Aber auch diese Haltung ist ja durchgängig bei allen Linken so. Von den hier und da beobachtbaren seltenen Ausnahmen mal abgesehen.

  5. 5 biber 31. Januar 2008 um 23:31 Uhr

    Mal was anderes: Bezeichnend für „gegenstandswechsel“ ist nun schon, dass sich in dem posting hier auf den ersten von sechs Punkten beschränkt wird.
    Auf den Teil, der eine durchaus zu kritisierende Einschätzung der Tauglichkeit von online-Diskussionen bietet. Der „väterliche“ Stil gefällt mir auch nicht, genausowenig, wie der blöde Vorwurf „uns“ sei das Medium Internet wichtiger als, ja, als was? Als das Print-Medium namens Gegenstandpunkt? Und auch anonyme eMails kann man als Redakteur einer Zeitschrift in eben dieser beantworten, ohne unbedingt Mitglied im „Diskutierklub“ werden zu müssen.
    Die restlichen Punkte beziehen sich aber inhaltlich auf die ständig laufende (Staats-)Debatte und auf die kommt es ja wohl mehr an, als auf Einschätzungen, wie tauglich welches Medium nun sei. Kurz:Punkt 1. von Decker ist kritikabel, maybe saublöd, sich daran aufzuhängen und die restlichen Punkte zu ignorieren aber auch!

  6. 6 Punkt 01. Februar 2008 um 8:22 Uhr

    zu bibers „Bezeichnend für “gegenstandswechsel” ist nun schon, dass sich in dem posting hier auf den ersten von sechs Punkten beschränkt wird.“

    Das ist zwar nicht ganz falsch, zumindest dann, wenn es seitens gegenstandswechsel dabei bleiben würde. So ein Argument hat aber immer den Fehler, den Fehler des konkret Vorgebrachten gar nicht zu benennen, sondern auf einen vermeintlichen Fehler zu verweisen, der in dem als fehlend Moniertem irgendwie doch schon drin, jedenfalls zu vermuten sei. Sowas ist blöd. Gerade hier auf Blogs, wo man doch eh froh sein kann, wenn einer mehr als einen Satz hinschreibt, ist eine Forderung nach umfassender Entgegnung auf irgendwas schon Vorliegendes einfach eine Forderung, die fast immer ins Leere geht. Natürlich wäre es anders schöner, zumindest klarer, aber sowas kriegst du eben nicht, bzw. nur ausnahmsweise mal geliefert.

  7. 7 libelle 01. Februar 2008 um 8:50 Uhr

    Ja, aber mit der Kritik am Gegestandwechsel hat biber recht. Die Grundlage der Gegnerschaft sind die Inhalte des GSP und die muss man auch kritisieren, sonst verkommt man zum Anstandswächter.

  8. 8 Punkt 01. Februar 2008 um 9:18 Uhr

    Das kannst du natürlich besonders überzeugend sagen, weil du offensichtlich bisher einer von ganz Wenigen bist, der sich diesem Anspruch dann auch tatsächlich stellt. Trotzdem wäre so ein Vorwurf erst am erfolglosen Ende einer Diskussion wirklich berechtigt. Vielleicht kommt da ja noch dies und das.

  9. 9 gegenstandswechsel 01. Februar 2008 um 10:13 Uhr

    „bezeichnend“ vielleicht, aber was soll das bitte aussagen?!

    meine intention bestand allgemein darin auf deckers wortmeldung (und somit auch die staatsdebatte) hinzuweisen (pflicht) und im besonderen evt. eine diskussion um den ersten punkt anzuregen (kür), da diese an den anderen stellen nicht angebracht ist.

    ein klein wenig hat es auch funktioniert.

  10. 10 libelle 02. Februar 2008 um 12:09 Uhr

    @gegenstandswechsel

    Aber die Diskussion um den ersten Punkt ist doch das Kompott an der Debatte. Die Attitüden mancher GSPler „wir haben immer recht“ und der Zwang, den manche ausüben wollen, indem sie Kritik pathologisieren („Psychos“ etc..) oder einen unter die Annahme subsumieren man bräuchte ihre Sympathie, indem sie sie öffentlich entziehen, die erledigen sich von allein, wenn man einfach auf einer inhaltlichen Auseinandersetzung beharrt. Entweder über die Feststellung, dass keine gemeinsame Basis vorhanden ist, oder darüber, dass sie sich doch mal zu einer unvoreingenommenen Prüfung der Einwände bequemen und eine inhaltliche Auseinandersetzung zustande kommt, die nicht versucht Kritiken auf Seiten im GSP zu mappen.

    Klar gehts bei solchen Diskussionen nicht immer fein zu und man ärgert sich des Öfteren über die Verstocktheit der Gegenseite.

    Aber euch ist das Medium, euere Internet-Plattform wichtiger, als eine Klärung mit uns.

    Solche Sätze sind eben Ausdruck davon, dass P. Decker sich ärgert und das den Internet-Diskutanten als Mangel vörhält. Nee stimmt nicht, mir ist das Medium nicht wichtiger. Der Grund warum ich dem GSP nicht schreibe ist, dass ein einfacher Brief nichts geklärt hätte, sondern nur so eine Antwort wie die Deckers in der Debatte im GSP provoziert hätte. Und im Internet diskutiere ich, weil es in jeder Hinsicht zu meiner Situation passt.

  1. 1 Zur Kritik der Internetdiskussionskultur // Zeilenzwischentraumzeichenfeenlandschaftsraum Pingback am 16. April 2008 um 15:27 Uhr
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